Plattdeutsche Geschichten Wi Rungholt ünnergahn is

Da haben bi Nordstrand, da geev dat all mal ´n gröttere Insel, wat hüüt bloots noch ´n lütte Hallig is: nämlich „Südfall“.
Und op disse damalige Insel „Südfall„ , da wahnen wiet öber 1000 Minschen; de güng dat all miteenanner recht good, meist to good.
De Handel und dat Schippern mit Solt, dat harr ehr riek ward un loaen, und mennig een wär öbermötig und uthüsig worden, und an dollsten dreeben dat de Lüüd ut dat Dörr „Rungholt„.

Als nu dat Jahr 1362 anfungen wär, käm de Winter mit veel Regen, Wind und Hochwater.
Öber de "Rungholter" dachten: „Wi wahnt hier seker, wi hebbt ja hooge Dieken, uns kann de „Blanke Hans“ nix anhebben."
Und so wären se denn mal wedder fix an' t Fiern und Freeten. In ´n Kroog, dar süngen und grölen se luuthals, wären duun, dull und vull.

Da reep dar een: „Weet ji wat? Wi haalt uns mal den Paster hier mit her, wi seggt to em: Herr Paster, hier is een von uns dood-krank, Se mütt mal mit dat Abendmahl kommen!“

As de Paster ankörn und sik dörch dat johlende Volk den Weg bahnt har, da wiest se em in de Schlaapkammer - hin na den Dood-kranken. Und wat mutt he sehen? - Da liggt dar in ´t Bett - een grootet, fettet Schwien, mit ´n Nachmütz ob ´n Kopp - dat Tier harrn se mit Köm und Beer duun makt.

De Paster wär fürchterlich verbaast und reep: "Verrekent ju man nich, de Herr-Gott lett sik nich verspotten - und nehmt ju in Acht: Sien Strafen sind hart!“

Und dormit dreih he sik üm und möök, dat he weg käm, nähm Fruu und Kinner bi de Hand und lööp hin na ´t Festland to.

Und noch in de sülbige Nacht, da brööken Stürm und Unweder los, een Springflood swappt över de Dieken, de bröken op, und dat Water swappst över de ganze Insel, spöölst Hüüs und Hööf und woll an de 1000 Minschen weg, nix bleev stahn!

Und an andern Morgen wär dar, wo „Rungholt“ west wär, een Stück nie Nordsee.