2010: In holsteinischen Städten und Gemeinden


2010: In holsteinischen Städten und Gemeinden

Die Tagesausflüge 2010 des Heimatvereins führten in die sehenswürdigen holsteinischen Städte Rendsburg, Büdelsdorf und Eutin sowie in die Gemeinde Bordesholm mit ihren schönen Umgebungen. Am 23. April waren Rendsburg und Büdelsdorf unsere Ziele. Auf der Fahrt dorthin - bei heiterem Himmel und unter weitestgehendem Verzicht auf Autobahnstrecken - konnten wir aus dem Reisebus heraus frische Frühlingslandschaften genießen. Wir erreichten Rendsburg durch den Kanaltunnel, der bei einer Länge von 1.278 m und einer Tiefe von 15 m unter der Wasseroberfläche des Nord-Ostsee-Kanals in die Stadt hineinführt. Auf dem historischen Paradeplatz wurden wir von Stadtführern erwartet, die uns bei einem Rundgang durch den alten Stadtkern der inzwischen über 800 Jahre alten Kreisstadt ausführlich informierten. Der großflächige Paradeplatz ist von alten stattlichen Militär- und Verwaltungsgebäuden umgeben. Die von ihm ausgehenden Straßen erinnern an die einstmalige Dänenherrschaft; sie sind seinerzeit entsprechend der Tischordnung der Kopenhagener Hoftafel geordnet und benannt worden: König-, Königin-, Prinzen-, Prinzessin-, Kronprinz-, Baron-, Grafen- und Ritterstraße. Am Rande des Platzes steht das Denkmal des Vorkämpfers der schleswig-holsteinischen Erhebung (1848) Uwe Jens Lornsen. Die Erhebung war auf die Trennung Schleswig-Holsteins von Dänemark ausgerichtet. In der ehemaligen stark mit Militär besetzten Garnisonsstadt (seit 1665) sind heutzutage Soldaten nicht mehr stationiert. Nach dem Stadt- und Skulpturenpark und vorbeigehend am neuen Rathaus erreichten wir das eindrucksvolle Stadttheater am Jungfernstieg. Auf schmalen Straßen gelangten wir auf den Altstädter Markt mit dem Alten Rathaus aus dem Jahre 1566. Das fachwerkliche backsteinerne Amtsgebäude ist im Laufe der Jahrhunderte in fast allen Teilen erneuert worden. Die Vorderfront mit den beiden Treppengiebeln ist zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts restauriert worden. Das darin enthaltene Glockenspiel stammt aus neuerer Zeit. Im ersten Stock des Hauses befinden sich die teilweise holzgetäfelten Sitzungsräume der Ratsversammlung und des Senats (ehemals Bürgermeisterzimmer). Diverse Malereien aus dem 18. Jahrhundert mit Rendsburger Stadtansichten und Landschaften schmücken die Räume. Unser Weg führte anschließend noch in die nebenan stehende St. Marienkirche. Sie ist das älteste Bauwerk der Stadt (1287). Im Innern birgt sie eine schöne Kanzel, einen wunderbaren Barock-Altar sowie zahlreiche Gemälde und Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Zum Mittagessen fanden wir uns in den ‚Brückenterrassen‘ im Kreishafen direkt an der Eisenbahnhochbrücke (dem Wahrzeichen Rendsburgs) ein. Diese Brücke ist eines der bedeutendsten Stahlbauwerke der Welt. 1913 wurde die Brücke mit einer Gesamtlänge von 7,5 km sowie einer Durchfahrtshöhe von 42 in über dem Fahrwasser fertig gestellt. Unter dem Brückenteil über dem Kanal hängt an Drahtseilen eine Schwebefähre, die den Kanal ständig hin und her überquer. Seit 1996 existiert zudem eine Schiffsbegrüßungsanlage, die die vorüberziehenden Schiffe mit ihrer Nationalhymne begrüßt. Wir konnten vorn Rande des Kanals neben Segelbooten erfreulicherweise auch in Richtung Brunsbüttel fahrende, hochbeladene Containerschiffe betrachten. Diese Riesen setzten uns beim Unterqueren der Hochbrücke ins Erstaunen. Mit einer kurzen Anfahrt ging es dann nahtios von Rendsburg nach Büdelsdorf, einer kleinen Stadt mit rd. 10500 Einwohnern. Hier besuchten wir das Eisenkunstgußmuseum, das uns mit seiner Sammlung von Ofenplatten, Etagenöfen, Gebrauchskunst, sakralen Gegenständen, Mobiliar und filigranem Schmuck sehr interessierte und Bewunderung auslöste - eine sehenswerte Schau. Den Abschluss unserer schönen Tour genossen wir bei einer Kaffeetafel im Landgasthof ‚Groß Vollstedt, ein paar Kilometer südlich vor Rendsburg gelegen.

Einer für den 12. Juni früh angesetzten Abfahrzeit verdankten wir die landschaftlich schöne Anfahrt nach Eutin. Über die Orte Gnissau und Ahrensbök durchfuhren wir mit unserem Bus anschließend einen süd-östlichen Teil des Kreises Ostholstein, um dann durch das Kurgebiet Pönitzer See in die Rosenstadt Eutin zu gelangen. Die über 750 Jahre alte Stadt, Kreisstadt Ostholsteins mit ca. 17.000 Einwohnern, gehört zu den bedeutendsten kulturellen Zentren Schleswig- Holsteins. Nicht jedem von uns war bekannt, dass Eutin auch als „Weimar des Nordens“ bezeichnet wird. Um 1800 ließen sich dort zahlreich Philosophen und Maler (z.B. Johann Heinrich Voß, Johann Heinrich Tischbein) sowie Dichter (z.B. Graf Friedrich Leopold zu Stolberg), Theologen und Baumeister nieder). Der Stadt berühmtester Sohn war jedoch der Komponist und Schriftsteller Carl Maria von Weber (1786 in Eutin geboren, 1826 in London gestorben). Seine berühmten Opern „Der Freischütz“ und „Oberon“ werden gelegentlich der jährlich auf der direkt am Großen Eutiner See gelegenen Freilichtbühne immer wieder aufgeführt; dieses Jahr läuft die 60. Spielzeit. Das Altstadtbild, geprägt durch enge Straßen mit Rosenstöcken vor Fachwerk- häusern, wurde uns bei einem geführten Rundgang und während einer kleinen Stadtrundfahrt vermittelt. Unser Weg führte vorbei am Geburtshaus des Carl Maria von Weber, einem heutigen Cafe-Haus, am Herzoglichen Witwen-Palais und den ehemaligen Hofapotheken hinauf in den Wochenmarktbetrieb auf dem Marktplatz. Der Rundgang endete mit der Besichtigung der St. Michaelis-Kirche, Dieser Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert überzeugt durch seine norddeutsche schlichte Schönheit. Das helle Innere beherbergt wertvolle sakrale Gegenstände, wie Leuchter, Taufbecken, Altarbilder, hölzerne und steinerne Grabdenkmäler sowie in der gotischen Kapelle den von einem einstmals ansässigen Hoftischlermeister gefertigten Altar. Farbige, sehr leuchtstarke Bildfenster runden schließlich die Sehenswürdigkeit des kompakten Kirchbaues ab. Nach dem Mittagessen im Restaurant „Alte Mühle“ wurden wir fachkundig durch das backsteinerne Eutiner Schloss begleitet. Dieser am Beginn eines früheren barocken, um 1790 zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalteten Gelände und in unmittelbarer Nähe des Großen Eutiner Sees gelegene Gebäudekomplex ist beeindruckend. Als ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Lübeck und späteres Wohnschloss der Großherzöge von Oldenburg, auch zeitweilig vom dänischen König Christian VI. bewohnt, vermittelt es deutlich einen Eindruck herrschaftlicher Wohnkultur. In renovierten großzügigen Räumen gibt es wertvolle Gemälde, Gobelins, seidene Wandbespannungen, Kachelöfen und Mobiliar früherer Zeiten zu bewundern. Eine erholsame Fahrt mit dem Motorschiff „Freischütz“ auf dem Großen Eutiner See bei Kaffee und Kuchen und mit freiem Blick auf die Fasaneninsel und die Liebesinsel sowie mit Sicht auf breite Uferwiesen, Waldumrandungen und auf verstreute kleine Ansiedlungen beschloss unseren Ausflug in sehr hübsche Landschaften der Holsteinischen Schweiz.

Und am 4. August ging es per Bus zunächst hinaus in die freie Natur. Das zwischen Neumünster und Bordesholm, östlich des Einfelder Sees gelegene Dosenmoor war unser morgendliches Ziel. Unter fachkundiger Führung erwanderten wir auf schmalen ausgetretenen und stellenweise noch nachgiebigen Pfaden eine reizvolle Moorlandschaft. Dieses größte und am besten erhaltene Hochmoor Schleswig-Holsteins ist von einem km-langen Wegenetz durchzogen. Nach der 1977 beendeten Torfgewinnung regeneriert sich das rd. 521 ha große Gebiet, das eine artenreiche Pflanzenwelt aufweist. Wie wir erfuhren, zeigt sich die Tierwelt dort allerdings eher „artenarm“. Nach ca. zweistündigem Aufenthalt im Moor nahmen wir das Mittagessen in dem gemütlichen reetgedeckten Gasthof „Schanze am See“ am Einfelder See ein. Der Nachmittag begann mit der Fahrt nach Bordesholm zum Besuch der schon vor dem Ort weithin sichtbaren gotischen backsteinernen Klosterkirche am Bordesholmer See. Mit ihrem Bau wurde um 1327 begonnen. Ihre jetzige Größe erhielt sie nach zwei Erweiterungen erst um das Jahr 1500. Das seinerzeitige Kloster wurde um 1330 nach dem Umzug des Augustiner Chorherrenstifts von Neumünster gegründet. In der Kirche befinden sich mehrere Grabdenkmäler, Grüfte, das Chorgestühl, Kapellenräume und ein Barockaltar. Der einstmals dort vorhandene „Bordesholmer Altar“ (BrüggemannAltar) wurde schon 1666 in den Schleswiger Dom überführt. Mit einem Kuchen- und Kaffeegenuss im Cafe Seeblick, Mühbrook, beendeten wir eine uns wiederum beeindruckende Ausfahrt. Die „Bildungserlebnisse“ unserer Ausflüge ins Mittel- und Ostholsteinische werden allen Teilnehmern sicherlich in guter Erinnerung bleiben.
(Klaus Stegemann)