2011: Eine Reise durch die Mark Brandenburg – preußische Geschichte in malerischer Landschaft


2011: Eine Reise durch die Mark Brandenburg – preußische Geschichte in malerischer Landschaft

Erster Tag, Freitag, 09. September 2011
Die Reise des Heimatvereins startet um 6.30 Uhr bei der Firma Mietrach, weiter geht es zum ZOB, bis in Sievershütten die letzten Teilnehmer zusteigen. Über die A 21, B 404 fahren wir zur A 24. Nach einer Frühstücksrast bei Neustadt-Glewe erreichen wir bald das Havelland mit dem Berliner Ring und damit die Mark Brandenburg. Um die Mittagszeit sind wir im Ziegeleipark in Mildenberg (Nähe Gransee).


Alte Ziegelei Mildenberg

Dort erwartet uns eine Führung mit dem Thema „Wie ein Ziegelstein entsteht – traditionelle Produktion zur Gründerzeit“. Sehr anschaulich wird erklärt, wie man aus dem Ton, der in der Umgebung abgebaut wurde, manuell Ziegelsteine herstellte. Dabei wurde auch deutlich, wie hart die Arbeit an den einzelnen Stationen war und weshalb die Menschen im Durchschnitt nur 47 Jahre alt wurden. Nach dieser Führung folgte eine „Ziegeleibahnrundfahrt“, die einen Überblick über den Ziegeleipark bot, in dem noch weitere Themenführungen stattfinden. Hier hat man nach der Wende eine Art Industriedenkmal geschaffen, um die Geschichte dieser sog. „Tonstichlandschaft“ zu erhalten.


Ziegeltrockenplatz

Nun waren es nur noch ca. 40 km zu unserem sehr schön an einem See gelegenen Hotel in Grünplan in der Nähe von Rheinsberg.

Zweiter Tag, Sonnabend, 10. September 2011
Auf dem Plan stand Rheinsberg. Zuerst lernen wir bei einer interessanten Führung die Altstadt dieser preußischen Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern kennen. Theodor Fontane beschrieb den Ort in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Kurt Tucholsky machte weiter Reklame mit seinem „Bilderbuch für Verliebte“. Beide Dichter wurden durch Straßennamen geehrt.


Orgel in der St. Laurentiuskirche

Nach kurzer Pause folgte eine Kirchen- und Orgelführung in der St. Laurentiuskirche. Der Kantor erklärte zunächst einige Besonderheiten am Bau der Kirche, dann erzählte er die Geschichte der alten und der neuen Orgel. Wir durften mit auf die Orgelempore, wo er die verschiedenen Klangmöglichkeiten bei der Orgel demonstrierte. Er spielte Choräle zum Mitsingen und viele kleine Stücke von Buxtehude über Bach bis hin zum Jazz. Man merkte ihm die Freude an der Musik an. Später lasen wir in der Zeitung, dass sein 70. Geburtstag bevorstand und mit einem Konzert gefeiert werden sollte, in dem auch eine Komposition von ihm aufgeführt werden sollte. Da die Gemeinde nach seiner Pensionierung keinen Nachfolger fand, machte er den Dienst seit 5 Jahren ehrenamtlich. Nach einer Mittagspause trafen wir uns zur nächsten Besichtigung am Schloss. König Friedrich II. hat als Kronprinz vier un-beschwerte Jahre auf Schloss Rheinsberg verbracht, das in dieser Zeit zum Treffpunkt vieler Geistesgrößen wurde. Nach seiner Thronbesteigung schenkte er das Schloss seinem jüngeren Bruder Heinrich, der 50 Jahre auf Schloss Rheinberg lebte und andere Akzente setzte. Während Friedrich II. die Musik liebte, förderte Heinrich das Theater.


Schloss Rheinsberg

Nach kurzer Erholung zum Kaffeetrinken folgte eine Führung in einer Keramikwerkstatt, die zu den drei ältesten in Deutschland gehört. Dem Besitzer merkte man den Stolz auf seine Produkte –zweimal gebranntes Steinzeug– an. Die Firma liefert sogar Teekannen nach England. Im angrenzenden Laden konnte man die verschiedenen Dekore bewundern und kaufen.

Dritter Tag, Sonntag, 11. September 2011
Wir fuhren nach Neuruppin. Diesmal waren die schönen Alleen am Rand mit herrlichen Altweibersommer-Spinnenweben verziert. Der örtliche Stadtführer empfing uns im Kostüm mit Dreispitz. Er stellte einen Baumeister aus Neuruppins Geschichte dar. Die Führung begann im Tempelgarten und war sehr interessant. Neuruppin war wichtig als Garnisonsstadt und hat seit dieser Zeit noch schöne breite Straßen. Das Denkmal zu Ehren des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel sahen wir, ebenso das Geburtshaus Theodor Fontanes. Schräg gegenüber stand das ehemalige Geschäftshaus eines berühmten Neuruppiners, nämlich Gustav Kühn. Er erfand zur Beginn des 19. Jahrhunderts den „Neuruppiner Bilderbogen“. Die Blätter mit witzigen Texten und kolorierten Zeichnungen fanden reißenden Absatz. Sie gelten als Vorläufer der heutigen Illustrierten.


Neuruppiner Bilderbogen

Nach dem Mittagessen konnten wir bei einer Schifffahrt auf dem Neuruppiner See die Stadt vom Wasser aus genießen, eine Erholung für unsere Füße. Auf dem Weg zu unserem Hotel fand unser Busfahrer wieder eine neue Strecke, auf der wir vor allem die lichten Wälder bewundern konnten. Teile davon gehören zur Deutschen Alleenstraße. Da wir diesmal etwas früher im Hotel waren, saßen viele eine Weile auf der schönen Hotelterrasse, bis uns ein Gewitter mit heftigem Regen vertrieb.

Vierter Tag, Montag, 12. September 2011
Der letzte Tag ist der Landeshauptstadt Potsdam gewidmet. Unser Stadtführer, ein studierter Geschichtler und Kunsthistoriker mit enormem Wissen, begleitete uns auf einer dreistündigen Stadtrundfahrt in unserem Bus. Wir beginnen mit einem Spaziergang im Park von Schloss Sanssouci. Unser Reiseleiter erzählt uns viel über die preußische Geschichte und über die Baugeschichte des Schlosses, die durchaus nicht ohne Sorgen verlief und oft zum Zerwürfnis zwischen dem Bauherrn und seinem Architekten, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, führte. Dass Friedrich II. oft seinen Willen durchsetzte, hat ihn viel Geld gekostet. Wir standen auch an seinem Grab, wo er endlich an seinem Wunschplatz, neben seinen Hunden, die letzte Ruhe gefunden hat.


Gruppenaufnahme vor dem Schloss Sanssouci

Auf langsamer Fahrt durch die Stadt sehen wir einige Schlösser, italienische Villen, die russische Alexandrowka-Siedlung und schließlich das Schloss Cecilienhof im neuen Garten. Wir konnten das Fachwerkhaus im Stil englischer Landsitze zwar nur von außen sehen, aber unser Stadtführer ließ sehr plastisch die Geschichte nach dem II. Weltkrieg wieder aufleben, die hier mit dem Potsdamer Abkommen 1945 ihren Abschluss fand. Die Führung endete am Bassinplatz an der St. Peter- und Paul-Kirche am Beginn der Brandenburger Straße. Die zwei Stunden Freizeit nutzten die meisten zu einem Bummel durch die Fußgängerzone bis zum Brandenburger Tor. Die Potsdamer sind sehr stolz auf dieses Tor, zumal es 20 Jahre älter als das Berliner Brandenburger Tor ist. Am Abend trafen wir uns in einem abgeteilten Raum zum Abschlussabend. Herr Köfer hatte eine kleine Liedersammlung zusammengestellt, aus der wir einige Lieder sangen. Herr Steenbuck präsentierte per Laptop und Beamer eine Bilderauswahl der vergangenen Tage. Zwischen den Liedern trugen einige Teilnehmer Gedichte oder Geschichten auf Platt vor.

Fünfter Tag, Dienstag, 13. September 2011, Heimreise
Ehe wir Brandenburg verlassen, fahren wir zum Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg. Das Haupthaus, auf das man auf einer neu gepflanzten Allee zufährt, erinnern an Häuser in der Toskana. Auf einem Rundgang erzählte uns Frau Hesterberg ausführlich, wie sie und ihr inzwischen verstorbener Mann den Gutshof aufgebaut haben. Sie kamen nach der Wende mit einer Herde Galloway-Rinder in das damals platte Land. Inzwischen gehören noch Rotwild, Schweine, Gänse und Hühner dazu. Schlachtung, Fleisch- und Wurstherstellung finden auf dem Gutshof statt; der Verkauf geht in Berliner Filialen und im Hofladen vonstatten. Inzwischen sind auch Sohn und Tochter nach passendem Studium mit eingestiegen. Das Konzept, Lebensmittel aus artgerechter Haltung zu liefern, funktioniert.


Galloway-Rinder auf Gut Hesterberg

Wir prüften die Qualität bei einem leckeren Spanferkelessen und später zu Hause an den eingekauften Eiern und Wurstwaren. Dann ging es in zügiger Fahrt nach Hause. Um ca. 17.30 Uhr waren wir wieder in Bad Segeberg.

ELFRIEDE THIERBACH
Fotos: Ernst Steenbuck