Reise des Heimatvereins nach Schwarzenberg im Osterzgebirge



Elfriede Thierbach, Bad Segeberg

Reise des Heimatvereins nach Schwarzenberg im Osterzgebirge

vom 1.9. bis 5.9.2015.

1. Tag: Die Reise beginnt um 7.00 Uhr bei der Firma Mietrach. In Sievershütten nehmen wir noch vier Teilnehmer auf, dann sind wir mit 43 Teilnehmern komplett. Trotz einiger Baustellen geht die Fahrt über die Autobahnen A7, A2, A14, A9 und A4 ziemlich glatt. Durch Zwickau, Schneeberg und Aue erreichen wir gegen 18.00 Uhr unser Hotel in der Neustadt von Schwarzenberg, der Perle des Erzgebirges.

2. Tag: 9.30 Uhr bringt uns der Bus den Berg hinauf zur Altstadt. Unser örtlicher Reiseführer erzählt uns Einiges über die Geschichte der Stadt. Im Mittelalter war das Erzgebirge als Dunkelwald“ bekannt, durch den nur wenige gefährliche Wege führten. Erst, als im heutigen Freiberg 1168 erste Silbervorkommen entdeckt wurden, begann die Erschließung und Besiedelung. Über Jahrhunderte erklang immer wieder das „Berggeschrey“, wenn neue Erzgänge gefunden wurden. Das lockte viele Menschen, die im Bergbau ihr Glück versuchen wollten, in die Gegend. Nach und nach entstanden die bekannten Bergbaustädte, zu denen auch Schwarzenberg gehörte, dass erstmals 1282 erwähnt wurde. An den schönen Altstadtbauten kann man heute noch den früheren Reichtum erkennen.

 

Die Pfarrkirche St. Georg, ein einschiffiger Barockbau (1690 – 1699),

beeindruckte uns sehr mit seiner umlaufenden Empore. Auch das alte Rathaus, heute Hotel, ist ein sehr schöner Bau. Wir spazieren auch an einem Glockenspiel aus Meissener Porzellan vorbei, auf dem Schwarzenbergs Türmer gerade einige Erzgebirgslieder spielte.

Die Führung endet am spätgotischen Schloss, das 1433 entstand. Es wurde 1555 – 1558 zum Jagdschloss für August den Starken umgebaut. Heute ist es ein Museum. Das Museum bietet viele Schätze zur Geschichte der Stadt. U.a. erfuhren wir etwas über die Herkunft der Schwibbögen, die uns schon an vielen Häusern aufgefallen waren. Der Ursprung ist die letzte Schicht der Bergleute vor Weihnachten, die sog. Mettenschicht. Dabei hängten die Bergleute ihre Lampen in der Zeche so auf, dass es wie ein Lichterbogen wirkte.1740 baute der Bergschmied Teller den ersten Schwibbogen für seinen Knappschaft. Anfangs wurden nur christliche Motive verwendet. Heute sieht man meistens Bögen mit zwei Bergleuten, einer Klöpplerin und einem Holzschnitzer. Klöppeln und Holzschnitzen waren zwei Erwerbsquellen, die sich entwickelten, als der Bergbau nicht mehr ergiebig war.

Im Museum waren schöne Holzschnitzereien zu sehen, die zum Teil den Bergbau darstellten. Auch Klöppelarbeiten waren ausgestellt, u.a. ein Festkleid in idrischer Bänderspitze, eine Fleißarbeit von ca. 1500 Arbeitsstunden.

Die Anfangsgründe des Klöppelns konnten wir uns in der Klöppelschule gegenüber zeigen lassen. Hier werden Anfängerkurse für Grundschüler einmal wöchentlich angeboten, für die es in diesem für den ganzen Bezirk 400 Anmeldungen gibt. Schön, dass diese alte Handarbeitstechnik an die Kinder weiter gegeben wird.

Nach der individuellen Mittagspause treffen wir uns am Bus und fahren in einen Nachbarort ins Miniaturerzgebirge. Hier sind im Maßstab 1:40 bekannte Bauwerke liebevoll dargestellt. So erkennen wir Rathaus, Schloss und Kirche von Schwarzenberg, aber wir können auch die Fichtel Bergbahn nach Oberwiesenthal oder die Seilbahn auf den Fichtelberg zum Laufen bringen. Nach dem Kaffeetrinken in der Sonne fahren wir zum Hotel.

3. Tag: Uns erwartet ein Riesenprogramm, bei dem uns Alexandra, eine nette Reiseleiterin, begleitet. Bei herrlichem Wetter bringt uns der Bus nach Cranzahl, wo wir in die Fichtelbergbahn, eine Dampf - Betriebene Schmalspurbahn umsteigen. Sie zuckelt mit uns gemütlich in einer Stunde nach Oberwiesenthal.

Von Oberwiesenthal bringt uns der Bus auf den Fichtelberg, den mit 1214 m höchsten deutschen Berg des Erzgebirges. Wir können hinüberschauen zum höchsten Berg des gesamten Erzgebirges, den Keilberg (1244 m) in Tschechien. Die Fichtelbergregion ist ein beliebtes Wander- und Skigebiet. Am Gipfel steht die Friedensglocke, die immer am Sonnabend vom Türmer aus Schwarzenberg zur Erinnerung an die Wiedervereinigung geläutet wird.

Vom Fichtelberg fahren wir nach Annaberg–Buchholz, eine wichtige Bergbaustadt, die zu ihrer Glanz Zeit reicher als Leipzig gewesen sein soll.

 

St Annen-Kirche mit 100 Reliefs

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die spätgotische St-Annen-Kirche, erbaut 1499 bis 1525. Ein örtlicher ehrenamtlicher Kirchenführer macht uns auf die wichtigsten Merkmale aufmerksam, besonders auf das herrliche Schlingrippen- und Schleifenstern Gewölbe. Umlaufend sind 100 Reliefs mit biblischen Szenen und Lebensallegorien zu sehen, für die damals meist leseunkundigen Menschen eine Art Bilderbibel und Bilderbuch.

Von hier aus geht es zum „Fronauer Hammer“, ein technisches Denkmal in der Nähe von Buchholz.

 

Frondorfer Hammer

Der wasserbetriebene Eisenhammer wird uns vorgeführt, eine ziemliche laute Angelegenheit. Lärmschutz gab es im 14. Jahrhundert noch nicht. Im angeschlossenen Museum sehen wir einige sehr schöne, damals hergestellte Produkte und Wohnverhältnisse aus der Zeit.

Unser letzter Programmpunkt ist der Besuch einer Likörfabrik. Geschichtlich geht sie auf Laboranten zurück, die für August, den Starken nach einem Elixier forschen sollten, das ihm ein langes und gesundes Leben ermöglichen sollte. Heute produziert die Firma aus heimischen Kräutern, Wurzeln, Früchten und exotischen Gewürzen Säfte, Liköre, Brande und Geiste. Wir durften die Köstlichkeiten probieren und natürlich auch kaufen.

4. Tag: Heute verlassen wir den Erzgebirgskreis und fahren ins Vogtland. Der südliche Teil entlang der tschechischen Grenze ist als „Musikwinkel“ bekannt. Hier haben sich im 17. Jahrhundert Egerländer angesiedelt und Musikinstrumente hergestellt. 1677 wurde in Markneukirchen von 12 Instrumentenbaumeistern die erste Innung gegründet. Um 1900 soll es in Markneukirchen 21 Millionäre gegeben haben. Man sieht es an vielen schönen Häusern.

 

Musikinstrumentenmuseum

Etwa 3000 Instrumente wurden gesammelt, etwa 1000 werden im Musikinstrumentenmuseum im Paulusschlössel ausgestellt. Bei einer Führung erfahren wir Einiges über die Entwicklung der Saiten-, Schlag- und Blechblasinstrumente. Auch Kuriositäten gab es, z.B. ein von sechs Damen im Varieté vor dem 1. Weltkrieg gespieltes Riesenakkordeon. Nach dieser interessanten Führung ging es zurück ins Erzgebirge.

 

Maschinenstickerei in Eibenstock

Das nächste Ziel war eine Maschinenstickerei in Eibenstock, der Heimat unserer Reiseleiterin. Die Firma hatte ein ähnliches Schicksal wie die Likörfabrik: zuerst selbständig, zu DDR – Zeiten verstaatlicht, nach der wieder privat. Die Inhaberin selbst führte uns durch die Fabrik und setzte auch einige Stickmaschinen in Betrieb. Es war interessant, zu verfolgen wie die einzelnen Farben eines Motivs computergesteuert gestickt wurden. Im angrenzenden Laden gab es wieder Gelegenheit, Weihnachtsgeschenke einzukaufen.

Die Heimfahrt machten wir über Johanngeorgenstadt an der tschechischen Grenze, auch eine ehemalige Bergbaustadt. Hier hat man die Altstadt komplett geräumt, weil man befürchtete, die stillgelegten Bergwerke könnten einstürzen. In der Neustadt stand ein Riesenschwibbogen an der Straße, eine große Pyramide war im Bau. Auf der letzten Etappe vor Schwarzenberg sang uns Alexandra zum Abschied die 1.Strophe des Feierabendliedes von Anton Günther vor.

Wie beim Heimatverein üblich, verbrachten wir den letzten Abend gemeinsam. Es wurden Lieder auf Hochdeutsch, plattdeutsch und erzgebirgisch gesungen, dazwischen wurden heitere und besinnliche Texte vorgetragen. Der Abend klang aus mit dem Schleswig–Holstein–Lied.

5. Tag: Der Hotelchef verabschiedete uns persönlich im Bus, dann ging es auf die Heimfahrt in Richtung Chemnitz und Dresden, wo uns noch ein besonderer Glanzpunkt erwartete.

 

Frauenkirche in Dresden

Wir hatten um 12.00 Uhr eine Orgelandacht mit anschließender Führung in der Frauenkirche. Wir saßen auf der 2. Empore genau gegenüber dem Altar. Die Andacht mit Läuten der Friedensglocke und Orgelmusik von J.S. Bach war eindrucksvoll. Danach erzählte der Kirchenführer Einiges zur Geschichte der Frauenkirche und ihrem tragischen Einsturz zwei Tage nach der Bombardierung von Dresden. Erst nach der Wende konnte man an den inzwischen abgeschlossenen Wiederaufbau denken.

Die Weiterreise verlief ohne Zwischenfälle, Gegen 22.00 Uhr waren wir wieder in Bad Segeberg. Eine schöne Reise war zu Ende.